Winterthur
Kunstmuseum Winterthur
On now
- Die Sommerausstellung 2026 im Reinhart am Stadtgarten widmet sich einer Geburtsstunde der modernen Kunst: dem Beginn der Freilichtmalerei in Öl am Anfang des 19. Jahrhunderts. Unter dem Titel Zur Sonne! Zur Freiheit! wird die Präsentation verschiedenen Fährten des Malens in der freien Natur nachspüren. Ziel ist es, die Blütezeit der Studie in Italien vorzustellen und dazu, erstmals überhaupt, auch den spezifisch schweizerischen Weg des Genres nachzuerzählen. Gezeigt werden Meisterwerke aller bedeutenden Künstler des Fachs, darunter der Begründer Pierre-Henri de Valenciennes und Simon Denis, von frühen deutschen Vertretern wie Martin von Rohden und Johann Georg von Dillis bis hin zu Meisterblättern von Heinrich Reinhold, Ernst Fries und Achille Etna Michallon. Den krönenden Abschluss bilden die bezaubernden Arbeiten von Carl Blechen und Camille Corot, womit ein grandioser Bogen von der Sonne des Südens zur Freiheit der Kunst geschlagen wird. Parallel dazu wird der Weg von der Schweiz nachgezeichnet, wo – wie wenig bekannt – dieser Praxis ebenfalls bereits seit dem Ende des 18. Jahrhunderts nachgegangen wurde, darunter vom Pionier de Alpenmalerei Caspar Wolf. Die feinsinnige Kunst der Ölstudie war eine der grössten Sammelleidenschaften von Oskar Reinhart. So besitzt die Stiftung heute zahlreiche exzellente Landschaftsstudien in Öl auf Papier, die sowohl den Weg der Freiheitsbewegung der Schweizer Malerei als auch den Königsweg des Genres in Italien eindrücklich belegen. Daneben wird die Ausstellung bereichert durch zahlreiche Studien aus musealem und privatem Besitz aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Mit Fokus auf höchste Qualität und dem neuen Blick auf die Schweiz unterscheidet sich die Ausstellung wesentlich von den erfolgreichen Ölstudienausstellungen der letzten Jahre in Paris, Cambridge und Washington. Sie wird zudem mit über dreissig bislang unpublizierten Werken auch die Fachwelt überraschen.Description
Zur Sonne! Zur Freiheit!
Until 25 Oct 2026

- Heidi Bucher Frottage St. Paul de Vence, 1979 Menschen erschaffen zweckgebundene Räume, nutzen und verändern sie. Mit der Zeit wandelt sich ihre Bestimmung: Schleichend oder abrupt bahnt sich das Leben seinen Weg. Die Winterthurer Künstlerin Heidi Bucher (1926–1993) wurde durch ihre «Häutungen» von Privaträumen, in denen sie als Kind gelebt hatte, ebenso bekannt wie durch Arbeiten in institutionellen Gebäuden, etwa in der Psychiatrischen Anstalt Bellevue in Kreuzlingen oder im Grande Albergo Brissago. Ihr innovatives Schaffen erregte in den vergangenen Jahren auch international grosse Aufmerksamkeit. Mit Latex bestrich sie Wände und Böden, die sie anschliessend wie eine Haut abzog. So verwandelte sie die starren Begrenzungen von Räumen in ein Gewand, das die Spuren der Zeit wie ein verborgenes Muster in sich trägt. Durch diesen Vorgang der eigenhändigen Häutung eignete sie sich die Räume physisch an. Wie in einem Kokon umhüllte sie sich mit der elastischen Haut und trat in einem performativen Akt verwandelt wieder daraus hervor. Für Künstler:innen, die sich mit dem Thema «Raum» auseinandersetzen, stellt das Museum als institutionell definierter Ort eine besondere Herausforderung dar. Seit der Moderne wird dieser Raum nicht nur als Präsentationsort verstanden, sondern auch als integraler Bestandteil des künstlerischen Werks. Die in Wien lebende Künstlerin Liesl Raff (*1979 in Stuttgart) transformiert die bestehenden Räume und Strukturen des Museums grundlegend. Auch sie arbeitet mit Latex, nutzt jedoch dessen Wandelbarkeit und Geschmeidigkeit, um die sinnliche Wirkung des Materials zu intensivieren. Ihre skulpturalen Eingriffe schaffen Orte der Konzentration. In ihrer Praxis setzt sie sich mit zwei Grundprinzipien der Skulptur auseinander: dem Entstehungsprozess einer Form im Gussverfahren und deren Präsenz im Raum. Das Kunst Museum Winterthur feiert den 100. Geburtstag von Heidi Bucher nicht als historischen Rückblick. Vielmehr wirft es einen heutigen Blick auf ihr Werk. In der Ausstellung Closer kommen sich Heidi Bucher und Liesl Raff in einem engen Dialog näher. Raff verwandelt den White Cube in ein Geflecht aus intimen Momenten und offenen Strukturen aus Stoff, Latex und weiteren Materialien. In diesem atmosphärischen Raum erhalten Buchers wenig bekannte, fragile Zeichnungen eine zeitgenössische Bühne von sinnlicher Tiefe.Description
Heidi Bucher – Liesl Raff
Until 8 Nov 2026

- Überschaubar in der Grösse, herausragend in der Qualität: Die Sammlung im Kunst Museum Winterthur gilt als eine der schönsten der klassischen Moderne – in der Schweiz und darüber hinaus. Am 2. Januar 1916 öffnete das Museum «der Kunst und Wissenschaften», so die Inschrift über dem Eingang, seine Pforten. Es war Ausdruck des bürgerlichen Gemeinsinns der bedeutenden Winterthurer Sammler und Mäzene. Im Eröffnungsjahr feierte die französische Moderne ihren ersten grossen Auftritt in der Schweiz. Seither hat sich die Kunst radikal weiterentwickelt, die Ausstellungsräume boten weiterhin einen idealen Rahmen – auch für zeitgenössische Kunst, die ab 1994 im ErweiterungsbauDescription
Moderne Reloaded
Until 31 Dec 2026

- Jutta Koether's artistic practice is a grand attempt to 'write a counter-history to the canon of modern painting,' as announced by the Museum Brandhorst in Munich for her comprehensive solo exhibition Tour de Madame. Born in Cologne in 1958 and currently dividing her time between New York and Berlin, Koether has significantly shaped the cultural landscape since the 1980s as a painter, performer, musician, editor, and writer, contributing to magazines such as SPEX and Texte zur Kunst. Her painting practice began in the 1980s in Cologne, amidst the neo-expressionist scene, under the banner 'The Hunger for Images' after years of...Description
Jutta Koether
Until 17 Jan 2027

- Mona Hatoum Routes of Dissonance Mona Hatoum Remains of the Day, 2016–2018 © Mona Hatoum. Photo © White Cube (Kitmin Lee) Meine Werke sind voller Assoziationen und Bedeutungen – eine Reflexion über das soziale Umfeld, in dem wir leben. Im Gegensatz zu minimalistischen Objekten sind sie nicht selbstreferenziell. Mona Hatoum Der eigene Körper als Projektionsfläche für gesellschaftliche und politische Themen bildet die Basis für das künstlerische Schaffen von Mona Hatoum. 1952 in einer palästinensischen Familie in Beirut geboren und 1975 nach London ausgewandert, machte sie die Erfahrung des Fremdseins gleichsam am eigenen Leib, die sie in den 1980er Jahren in verstörende Performances übersetzte. Seit den 1990er Jahren realisiert sie Skulpturen und Installationen, in denen der abwesende Körper wie das private Heim alsDescription
Mona Hatoum
Until 31 Jan 2027

Coming soon
- Pieter Claesz Stillleben mit Glaspokal, 1642 Stiftung Kaiserschild / Johanneum Graz Der Tisch ist gedeckt, die Speisen sind angerichtet: knusprige Brötchen, frisch schimmernde Austern, gesalzene Fische und saftige Pasteten laden geradezu zum Essen ein. Die führende Figur in der Darstellung solch genussvoller Augenblicke im niederländischen Barock war Pieter Claesz (1597/1598–1660). Der in Flandern geborene und später in Haarlem tätige Künstler gilt als der innovativste Vertreter des Genres der monochromen «Banketjes». Diese farblich reduzierten Mahlzeitenstillleben machten Claesz zu seiner Zeit berühmt und wurden sein Markenzeichen. Oberflächen und Materialien von Textil, Geschirr und Speisen wie kunstvoll angeschnittene Zitronen sind derart differenziert gemalt,Description
Zu Tisch mit Pieter Claesz
14 Nov 2026 – 14 Mar 2027

Recent past exhibitions
- Die Dezemberausstellung ist traditionell die Plattform für das Kunstschaffen aus Stadt und Region Winterthur. Diese findet seit längerem im jährlichen Turnus einer jurierten Ausstellung in der Kunsthalle und im Kunst Museum Winterthur und einer Fokus-Ausstellung auf Einladung nur im Kunst Museum Winterthur statt. 2025 konnten sich alle Kunstschaffenden der Region mit einem Dossier um die Teilnahme bewerben; eine Fachjury wählte aus den Bewerbungen an die dreissig künstlerische Positionen aus. In den Fokus-Ausstellungen wiederum wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Ansätze erprobt. So luden einmal vom Kuratorenteam ausgewählte Künstler und Künstlerinnen jeweils einen Kollegen oder eine Kollegin ein, in einem anderen Jahr beschränkte sich das Museum gezielt auf eine jüngere Generation Kunstschaffender, die bis dato noch nicht oder kaum ausgestellt hatten. Für 2026 verändert das Kunst Museum Winterthur das Konzept seiner Fokus-Ausstellung grundlegend. Anstelle einer kuratierten Gruppenausstellung mit jeweils zehn bis zwölf eingeladenen Künstler und Künstlerinnen, werden insgesamt sechs Kunstschaffende angefragt. Immer zwei bespielen im Museum Reinhart am Stadtgarten parallel je einen Kabinettraum. Daher der Titel: 3 x 2. Dieses Konzept erlaubt es, in der Konzentration auf ausgewählte Positionen, den einzelnen Kunstschaffenden mit einem eigenen Raum deutlich grössere Präsenz zu verleihen. Zudem lassen sich so liebgewordene Traditionen der Dezemberausstellung auch einmal grundsätzlich hinterfragen und neue Ansätze zur Förderung des regionalen Kunstschaffens und insbesondere zu deren Sichtbarkeit im Kunst Museum Winterthur überprüfen.Description
3 x 2: Fokus Winterthur
Ended 4 Oct 2026
- Im Süden werden die Sinne geschärft. Die Hände werden wendiger, das Auge aufmerksamer und das Denken klarer. Vincent van Gogh Ende des 18. Jahrhunderts setzt die touristische Entwicklung der heutigen Côte d’Azur ein mit der Reisebeschreibung von Tobias Smolletts Travels through France and Italy. Darin schildert der englische Schriftsteller die Mittelmeerküste Frankreichs als ein Land, in dem das Licht heller als anderswo leuchtet, der Himmel gnädiger gestimmt ist und die Sonne öfter scheint. Das milde Winterklima lockte bald darauf die Adligen aus Grossbritannien, aber auch aus Deutschland und Russland nach Nizza, das sich zusammen mit seinem Umland zur Riviera wandelte. Entlang der Küste entstanden mondäne Hotels und Villenviertel, Parks wurden angelegt, tropische Pflanzen akklimatisiert. 1916 verbrachte Henri Matisse einen Kuraufenthalt in Medon und liess sich anschliessend im nahen Nizza nieder, wo er im Hotel Beau-Rivage logierte. Auch das Sammlerehepaar Hedy und Arthur Hahnloser verbrachte ab 1923 aufgrund von Hedys Gesundheitszustand die Winter im milden Süden, wo sie in regelmässigem Austausch mit ihren Künstlerfreunden Henri Matisse und Pierre Bonnard standen. Bereits die Vorgängergeneration hatte den Süden entdeckt: Paul Cezanne, geboren in Aix-en-Provence, kehrte nach seinem Pariser Aufenthalt in seine Heimat zurück und widmete sich fortan der südlichen Landschaft. Darin gelang ihm die Überwindung der impressionistischen Malweise zugunsten einer flächig organisierten Darstellung «parallel zur Natur». 1888 blieb Vincent van Gogh auf der Reise in den Süden in Arles hängen, wo er seinen langgehegten Traum, ein Atelier des Südens als Künstlerkolonie zu begründen, verwirklichen wollte. Die Idee scheiterte; entstanden sind indes unzählige Gemälde von gleissenden Landschaften, mit denen er sich in die Kunstgeschichte einschrieb. Die Ausstellung Tout est lumière vereint sonnendurchflutete Meisterwerke – Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen – von Cezanne bis Matisse, in denen sich im Geiste van Goghs die Sinne schärfen und das künstlerische Denken klärt. Kuratiert von Konrad Bitterli, Andrea Lutz und David SchmidhauserDescription
Tout est lumière
Ended 30 Aug 2026
- Jean-Baptiste Jacques Augustin: Junge Dame mit Schleier, 1815 Kunst Museum Winterthur, Dauerleihgabe der Kunstsammlung der Stadt Winterthur, Schenkung Emil S. Kern, 2019 In einer sich ständig verändernden Welt halten Künstler Momente der Zeit fest und schaffen damit Dauerhaftes. So bewahren sie Vergängliches und stiften zugleich Gemeinschaft. Das Bleibende in der Vergänglichkeit – im Lateinischen Vanitas (Vergänglichkeit, Eitelkeit) – findet auch in der Gattung Porträt seinen Ausdruck. Im Bildnis wird ein einzelner Moment zu etwas Zeitlosem, zu einer Form des kulturellen Gedächtnisses. Nie neutral wie eine Fotografie ist das Abbild Zeugnis der Inszenierung des Modells ebenso wie der künstlerischen Interpretation, eine Manifestation emotionaler Nähe zwischen Maler, Modell und Besitzer. Es markiert die Anwesenheit einer Person, die doch abwesend ist. Ein unbewegtes Werk vermittelt etwas Lebendiges und Veränderliches, die bildlich festgehaltene Schönheit, die vergeht. Das sichtbare Äussere verdeutlicht ebenso das unsichtbare Innere. Die Ausstellung Momente der Zeit thematisiert in ausgewählten Miniaturen den Vanitas-Gedanken. Hierbei macht das Paradoxon das Porträt zum idealen Medium, um über Zeit und Erinnerung zu reflektieren: Melancholie, Sehnsucht und Todesnähe deuten auf die Zerbrechlichkeit des Lebens. Geschmückte Modelle stehen für Schönheit und Anziehungskraft, aber auch für Eitelkeit und Endlichkeit. Halten sie Blumen oder Früchte in den Händen, verweisen jene direkt auf ihre eigene Kurzlebigkeit, ihre besondere Symbolik, sogar auf den bildhaft nicht zu vermittelnden Duft. Gleiches gilt für die anschauliche Vorführung von Musikinstrumenten, deren Klänge sich rasch verflüchtigen und von Skulpturen, die nicht lebendig sind. Briefe, Musiknoten und Bücher verkörpern Produkte menschlicher Beziehungen, die vergänglich sind und stehen für die verklungenen Stimmen ihrer Schöpfer. Der natürliche Kreislauf des Lebens findet seine Entsprechung im zweiteiligem Werk Sigrid (1930/2009) der Künstlerin Karin Sander (*1957 in Bensberg). Sigrids Porträt als Kind – ein Ausschnitt aus einem Pathé-Film von 1930 – und als alte Frau, jeweils mit einem Ball spielend, verbindet das Readymade der Moderne mit der klassischen Vanitas-Vorstellung im Miniaturporträt. Kuratiert von Sonja RemensbergerDescription
Momente der Zeit
Ended 2 Aug 2026
- An der Ritterstrasse 43 wohnte in den Jahren 1847/1848 der Maler Adolph Menzel. Den Blick aus dem Fenster auf den Hinterhof hat er in einer Ölskizze verewigt: Berliner Hinterhäuser im Schnee (1847/1848). Der bedeutendste Vertreter des deutschen Realismus zeigt sich darin als Meister einer protoimpressionistischen Malerei, die den unspektakulären Ausblick im Moment festhält – in seiner Alltäglichkeit von spektakulärer malerischer Qualität. Der 1967 in Epsom (UK) geborene Simon Starling, der sich in seinem künstlerischen Schaffen seit Jahren Themen wie Nachhaltigkeit, Ökologie und Ökonomie widmet, wandte sich wiederholt Meisterwerken der Kunst- und Kulturgeschichte zu: Fiat und Piaggio ebenso wie Tiepolo und eben Adolph Menzel. Den Blick in den Hof verstellt an der Ritterstrasse 43 heute ein Wohnblock mit kastenförmigen Balkonen. Simon Starling übersetzte Menzels kleinformatiges Gemälde inklusive Rahmen in einem aufwendigen 3D-Druckverfahren in eine monumentale Installation und kombinierte sie mit einer Fotografie des Ausblicks, wie er sich heute präsentiert – als Dialog historischer und zeitgenössischer Bildgattungen bzw. künstlerische Reflexion über die Veränderungen des urbanen Raums wie auch als Memento: Während Starling das Menzel-Projekt realisierte, wütete die Pandemie. Das öffentliche Leben war zum Erliegen gekommen, Ausstellungen wurden verschoben, man musste zuhause bleiben. Menzels Blick aus dem Fenster erhielt ungeahnte Aktualität. «Durch die Pandemie gab es plötzlich diese gesteigerte Sensibilität für die Natur. […] Man hatte das Gefühl, dass man den Frühling auf eine viel kontemplativere Weise beobachten konnte, als man es normalerweise tut», erzählte der Künstler, der mit Ritterstrasse 43 thematisiert, «wie wir Bilder von der Natur machen und wie sich das verändert hat.» In den letzten Jahren war das Schaffen des heute in Kopenhagen lebenden Künstlers in Museen weltweit zu sehen. Die Ausstellung im Kunst Museum Winterthur präsentiert ausgewählte Werkgruppen des Künstlers im Dialog mit Gemälden der Stiftung Oskar Reinhart – gewissermassen von Menzel bis Starling. Kuratiert von Konrad Bitterli und Andrea LutzDescription
Simon Starling
Ended 5 Jul 2026
- Das Künstlerduo Fulvia Carnevale und James Thornhill wählte 2004 den Namen Claire Fontaine, in Anlehnung an eine bekannte französische Schreibwarenmarke sowie an Marcel Duchamps Readymade Fountain. Mit dieser Namenswahl schufen sie eine gemeinsame künstlerische Identität, die autobiografische Lesarten bewusst vermeidet und den Blick auf allgemeinere, gesellschaftliche und kunstspezifische Fragestellungen lenkt. Die Verwendung von Alltagsgegenständen sowie das Spiel mit Urheberschaft und Aneignung sind typisch für ihre Arbeitsweise. In ihrer ersten Einzelausstellung in einem Schweizer Museum verwandelt Claire Fontaine den Ausstellungsraum in eine begehbare Welt digitaler Zeichen. Die Emoji-Skulpturen greifen die Bildsprache unserer Smartphones auf und zeigen, wie stark digitale Kommunikation unseren Alltag prägt. Claire Fontaine bezeichnet sie als «Readymade-Emotionen» – vorgefertigte Gefühle, die unsere Textnachrichten scheinbar vereinfachen und farbiger machen. Anstatt eigene Worte zu suchen, greifen wir auf vordefinierte Symbole zurück, um Emotionen zu vermitteln. Die leuchtenden Skulpturen, die aus der digitalen Welt in den realen Raum übertragen werden, gewinnen dabei Dreidimensionalität, zugleich jedoch geht ihre Interaktivität verloren. Claire Fontaine fasst sie unter dem Begriff «Anti-NFTs» zusammen. Dekontextualisiert und in einen neuen Massstab versetzt, spiegeln sie unser soziales Verhalten. Werden die Skulpturen fotografiert, gelangen sie wiederum in den digitalen Raum. Dort erscheinen sie wieder flach und sind von ihren Vorlagen kaum zu unterscheiden. In diesem ästhetischen Wechselspiel verschwimmen die Grenzen zwischen erlebter und digitaler Realität zunehmend. In der Ausstellung Sugar Free befasst sich Claire Fontaine damit, wie digitale Kommunikation mit Emotionen spielt und dabei unmerklich Abhängigkeiten entstehen. Sie regt dazu an, die heute allgegenwärtigen Zeichen neu zu betrachten und über ihren Einfluss auf unsere Gesellschaft nachzudenken. Kuratiert von Lynn KostDescription
Claire Fontaine
Ended 14 Jun 2026
- Gemeinsam mit dem MAMCO Genf (Musée d’Art Moderne et Contemporain), privaten Leihgebern und dank einer Dauerleihgabe der Jochen Kienzle Foundation kann das Kunst Museum Winterthur erstmals eine repräsentative Auswahl von Gemälden, Filmen und Schallplatten präsentieren. Kuratiert von Lynn Kost.Description
Jack Goldstein
Ended 31 May 2026
Kommende Ausstellungen
Ended 31 May 2026
- Es war einmal … : Mit diesen Worten erzählen Märchen von einer zurückliegenden Epoche und beschwören eine andere Realität, welche die eigene Wirklichkeitserfahrung durch Illusionen erweitert. Sie haben daher etwas gleichermassen Beunruhigendes wie Befreiendes. Das gilt auch für die «Geschichten» des bulgarischen Künstlers Nedko Solakov, die als zart lavierte Bild-Text-Kombinationen in oft mehrteiligen Zeichnungszyklen entstehen. Spätestens seit der Teilnahme an der Biennale von Venedig (2007) und der documenta (2007 und 2012) gilt der 1957 geborene und in Sofia lebende Nedko Solakov als eine der herausragenden Figuren der internationalen Gegenwartskunst. Der bildende Künstler ist ein begnadeter Erzähler: Seine Zeichnungen handeln von alltäglichen Begebenheiten, erweisen sich zugleich als absurde Kommentare zum menschlichen Dasein. Solakov hinterfragt in seinem formal vielfältigen Schaffen neben Zeichnungen auch Gemälde und Installationen, scheinbar kollektive Wahrheiten. Er reflektiert selbst das Scheitern als Metapher menschlicher Existenz und entdeckt in den politischen Weltläufen die Paradoxie als herrschende Struktur. Aktuelle Themen in Form von Geschichten zu fassen, die eine präzise Balance zwischen Lust an der Narration und ironischer Brechung halten, prägen sein Werk und machen es unverwechselbar – und in hohem Masse unterhaltsam. Being Vallotton, so der Titel der Ausstellung in der Villa Flora, zeigt den Künstler als grossen Bewunderer seines künstlerischen Vorbildes. Indem er gleichsam in die Rolle des Älteren schlüpft, schafft er eine eigenwillige Neuinterpretation des Klassikers und bindet das eigene Schaffen in die grossen kunsthistorischen Zusammenhänge ein. Nedko Solakov ist auch ein höchst unorthodoxer Konzeptkünstler, der die Welt, auch die Kunstwelt, mit Humor und Ironie betrachtet und die Meisterwerke der Vergangenheit aus zeitgenössischer Sicht neu interpretiert – als grandiose Hommage an Félix Vallotton.Description
Nedko Solakov
Ended 1 Mar 2026
- Öffentliche Führung durch die Ausstellung mit Kunstvermittlern und Künstlerin Louisa Gagliardi.Description
Reflexionen aus dem beständigen Leben
Ended 8 Feb 2026