München
Kunstbau München/Lenbachhaus
On now
- Shifting the Silence' ist der Titel des letzten Buches von Etel Adnan, erschienen 2021. Die deutsche Übersetzung 'Die Stille verschieben' erschien posthum 2022. Erkennbar am Ende ihres Lebens verfasst, reflektiert Etel Adnan darin melancholisch, poetisch und sehr persönlich die großen Themen des Lebens. Alltagsbeobachtungen, Gefühle, Anekdoten oder Erinnerungen definieren in kurzen Prosastücken die Erzählung, die jedoch keiner Linearität folgt. Die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod schafft eine ernste, philosophische Tiefe. Zugleich aber feiert Etel Adnan die Schönheit des Lebens, was als eine politische Gegenwehr gegen gesellschaftliches Verstummen verstanden werden kann. Es ist der Text einer Malerin, deren künstlerische Karriere als Schriftstellerin und Philosophin begann. Ein Raum der Ausstellung ist daher ihren Gemälden gewidmet. Die Ausstellung möchte sich ein zentrales Anliegen von 'Shifting the Silence' zu eigen machen: das Nachdenken über die Schwierigkeit, Werke Bildender Kunst vollständig in Worte zu fassen und erfahrbar zu machen. Eine Versprachlichung – also eine Übersetzung von Kunstwerken und ästhetischen Erfahrungen in Worte und in Sprache – stellt in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar. Denn Sprache ist nicht nur ein Mittel zur Verständigung, sie ist zugleich begrenzt und manchmal sogar hinderlich, wenn es darum geht, vielschichtige Eindrücke und Wahrnehmung zu vermitteln. Etel Adnan schlägt vor, die Stille zu 'verschieben' – also die Grenzen des Sagbaren zu erweitern und das Poetische der vielen Ausdrucksformen der Künste nicht zu rationalisieren, sondern als Eigenwert anzunehmen. Mit Werken von Etel Adnan, Saâdane Afif, Nevin Aladağ, Harold Ancart, Tolia Astakhishvili, Leilah Babirye, Cana Bilir-Meier, Mel Bochner, Thea Djordjadze, Simone Fattal, Amy Feldman, Dan Flavin, Isa Genzken, Adrian Ghenie, Zvi Goldstein, Sheela Gowda, Giorgio Griffa, Philipp Gufler, Samia Halaby, Candida Höfer, Jenny Holzer, KAYA, Alexander Kluge, Jiří Kovanda, Goshka Macuga, Nick Mauss, Rosemary Mayer, Małgorzata Mirga-Tas, Roméo Mivekannin, Matt Mullican, Marcel Odenbach, Roman Ondak, Anri Sala, Curtis Talwst Santiago, Spomenko Škrbić, Sung Tieu, Gülbin Ünlü, Nicole Wermers und Issy Wood. 'Shifting the Silence. Die Stille verschieben' eröffnet Assoziationen und steht dieser Ausstellung als leitender Gedanke zur Seite, um die Kunstwerke als ein offenes Interpretationsmuster zu begleiten und zu erhellen. Kuratiert von Eva Huttenlauch und Matthias MühlingDescription
Shifting the Silence. Die Stille verschieben Gegenwartskunst im Lenbachhaus
Until 31 Jan 2027

- Von einer solchen Ruhe kann man am Starnberger See heute nur noch träumen. Zu sehr ist dieser wie so viele andere Orte von Menschen überrannt. Somit ist das aktuell im Lenbachhaus zu sehende Gemälde [Der Starnberger See von Christian Ernst Bernhard Morgenstern] das Dokument einer verlorenen Welt, zu der ein Stück weit auch sein Erschaffer gehört. Ist der 1867 in München gestorbene Morgenstern, 'Was zu verschwinden droht, wird Bild. Mensch – Natur – Kunst' heißt die zugehörige, höchst sehenswerte Ausstellung im Lenbachhaus, das sich damit einem der Grundimpulse aller Kunst widmet: Der törichten, wahnwitzigen Idee, das Flüchtige, Vergängliche festhalten zu wollen. Man könnte das Ganze auch einen Gemeinplatz nennen. Nur ist es so, dass dieser Gedanken in Zeiten des Klimawandels eine neue Dringlichkeit erfährt. Mit der Folge, dass man statt einer schönen fast nur noch bedrohte Natur sieht. Und das führt auch dazu, dass man noch einmal ganz neu auf vergangene, teilweise sehr vertraute Naturbilder blickt. Was einst als Momentaufnahme einer scheinbar unberührten Natur galt, wird heute zum Dokument eines sich wandelnden Zustands. Mit Werken von Franz Marc, Gabriele Münter, Gerhard Richter und vielen weiteren Künstlern macht die Ausstellung das Spannungsfeld zwischen Mensch, Natur und Kunst sichtbar. Sie verdeutlicht, dass Kunst nicht nur Erinnerungen bewahrt, sondern auch eine kritische Perspektive auf Veränderungen eröffnet. Sie hält fest, was verschwindet – und bleibt dennoch selbst nur ein Echo der Wirklichkeit. Bevor die Ausstellung ans Ende gelangt mit Fritz Winters Serie 'Am Wehr' – eine Bilderreihe, die 1936 in Dießen am Ammersee entstand und wohl zum ersten Mal in einer Ausstellung gezeigt wird – davor hat noch ein anderer Künstler einen großen Auftritt: Johann Georg von Dillis. War der Name schon zuvor angerissen als einer derjenigen, die in königlichem Auftrag das bajuwarische Seenland malerisch zu erfassen hatten, so sind dem Zeichner Dillis gleich mehrere dicht bestückte Wände gewidmet. Eine davon ist den Wolken vorbehalten: Mit Kreide vorzugsweise und vielfach auf blauem oder blaugrauen Papier fertigte der Künstler merklich fasziniert immer wieder Skizzen der unterschiedlichsten Formationen am Himmel an. Und das keineswegs immer in freier Luft, sondern gerne auch vor Wind und Wetter geschützt vor seiner Dienstwohnung im Münchener Hofgarten aus – weshalb neben Wolken sich auch ab und an die Turmspitzen der Theatinerkirche mit ins Bild schieben. Hier löst sich das Diktum 'Was zu verschwinden droht, wird Bild' dann doch aufs allerschönste ein. Denn was wäre stärker von permanenter Auflösung bedroht als ein lediglich für einen Augenblick feststehendes Wolkengebilde?Description
Was zu verschwinden droht, wird Bild. Mensch – Natur – Kunst
Until 1 Mar 2027

- Stimmen ‘Jahrelang waren Kandinsky, Marc & Co. außer Haus, nun hängen die allermeisten Bilder des berühmten Künstlerkreises wieder im Lenbachhaus. Dort hat man den Ikonen der Moderne eine neue Ausstellung spendiert. Höchst sehenswert.’ Stefan Dosch, Augsburger Allgemeine "Den Höhepunkt bildet ein Raum in tiefem Nachtblau mit Werken von Wassily Kandinsky. Unter dem Titel seines Essays Das Geistige in der Kunst" leuchten die Bilder wie farbige Galaxien und zeigen den Weg des Künstlers von gegenständlichen Motiven zu reiner Abstraktion. Das muss man sehen, erleben, fühlen." Simone Dattenberger, TZ ‘Auf blau getünchten Wänden leuchten Kandinskys Farben wie aus einer anderen Welt. Mal lässig zu Reitern oder Figuren geformt, mal den Gegenstand hinter sich lassend. Man betrachtet das mittlerweile differenzierter, die Abstraktion geht längst nicht mehr allein auf sein Konto. Aber auch das ist in dieser klugen, inspirierenden Neueinrichtung zu sehen.' Christa Sigg, Abendzeitung München ‘Das neue Farb- und Raumkonzept lässt Besucher:innen in die intensive Welt dieser Avantgardebewegung eintauchen und eröffnet faszinierende Einblicke in die Geschichte und Visionen der Künstler:innen. […] Die Ausstellung verdeutlicht, wie aktuell die Fragen nach Emanzipation, ästhetischer Praxis und gattungsübergreifender Innovation noch heute sind. Kunst wurde von den Künstler:innen des Blauen Reiters als Botschaft verstanden, nicht nur als Spiel mit Form und Farbe – wie Else Lasker-Schüler 1911 poetisch ausdrückte: ‘Über die Welt hinaus.’" Julia Maria Korn, Restauro ‘Das Lenbachhaus, […] hat seinen Überblick aus 150 Werken über diese Strömung der Klassischen Moderne neu kuratiert, und das mit zwei Neuheiten: mit erstmals ausgestellten Neuzugängen zur Sammlung sowie mit mehr Frauen denn je.’ Hedwig Kainberger, Salzburger Nachrichten ‘Gattungen, Genres, Materialien, Zeit, Raum, Nationalitäten, nichts davon spielte für die Künstler des “Blauen Reiter” eine Rolle. Nicht die Vorbereitung der Abstraktion ist das Verdienst dieser Gruppe, sondern das gelebte Nebeneinander unterschiedlichster Ausdruckswege, die Auffassung von Kunst als einer universellen Grenz- und Zeitüberschreitenden Sprache. Ein Besuch im Münchner Lenbachhaus heißt nichts weniger als Eintauchen in diese Vision.’ Julie Metzdorf, Deutschlandfunk "Doch das Lenbachhaus hebt Gabriele Münter nun regelrecht aufs Schild. Widmet Ihr den ersten großen Saal in der Ausstellung. Dort, wo sie früher mit den männlichen ‚Reitern‘, allen voran Kandinsky, Ihrem früheren Lehrer […] um Aufmerksamkeit ringen musste, strahlt Ihr Werk jetzt von tief aquamarinblau gestrichenen Wänden wie ein Solitär. […] ‘Die Dame im Sessel’, ein Portrait einer Stenografin aus dem Jahr 1929 im Stil der Neuen Sachlichkeit. Allein wie die Interessant gebundene Pluderhose und die spitzen roten Schuhe mit den gedrechselten Beinen des Sessels korrespondieren, ist bemerkenswert. Mehr noch, wie der zweifarbige Hintergrund ausleuchtendem Hellblau und warmen Rotton die Frau in dem Sessel plastisch hervortreten lassen, sie so präsent machen, dass sie beinahe den Bildrahmen zu sprengen droht, das ist ganz große Kunst." Evelyn Vogel, Süddeutsche ZeitungDescription
Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter
Until 5 Sept 2027

Coming soon
- Maria Jarema (1908 – 1958) konnte vieles: Sie war Bildhauerin und Malerin, sie experimentierte mit Drucktechniken, entwarf Kostüme und Bühnenbilder für Theater und Tanz, war Schauspielerin. Sie verfasste kunsttheoretische Texte, intervenierte für das Recht von Frauen auf uneingeschränkte körperliche und kreative Selbstbestimmung, schrieb Manifeste gegen die Klassengesellschaft. Krakau war ihr Lebensmittelpunkt. Dort begründete sie 1932 mit befreundeten Studierenden die Krakauer Gruppe (Grupa Krakowska) aus Protest gegen die nationalistischen Tendenzen an der Kunstakademie. Die Gruppe stand der aus offiziell verbotenen Kommunistischen Partei nahe. Sie wurde zu einem wichtigen Zusammenhang für die künstlerische Generation der Zwischenkriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit. In Krakau lebte Jarema auch während des zweiten Weltkriegs und der Besatzung durch Nazi-Deutschland, eine Zeit, die für ihr kommunistisches, zugleich anti-stalinistisches Umfeld lebensbedrohlich war. In ihrer Wahlheimat Krakau ist Jarema bis heute allgegenwärtig: Zwei von ihr entworfene Denkmäler sind dort zu sehen, eine Straße trägt ihren Namen, eines ihrer abstrakten Gemälde ziert, hundertfach vergrößert, die Fassade eines Wohnblocks, Künstler*innen jüngerer Generationen widmen ihr öffentliche Hommagen. Jaremas künstlerisches Werk zeichnet sich durch eine eigenwillige Formensprache aus, die zugleich von großer Vertrautheit mit der Geschichte der Kunst sowie ihren jeweils neuesten Entwicklungen zeugt. Während längerer Aufenthalte in Paris 1938 und 1948 kam sie in Berührung mit dem Surrealismus, in dem sie ihre eigene Haltung wiedererkannte: Die Kunst war für Jarema kein politisches Mittel, sondern eine revolutionäre Praxis, die das Denken verändern und Gesellschaft verbessern konnte. Ihr Leben war eng mit dem Theater verbunden: Mit ihrem Bruder, dem Künstler Józef Jarema, der später mehrere Jahre in München lebte, war sie in den 1930er Jahren in der experimentellen Theatergruppe Cricot aktiv, die ihre Stücke in Gewerkschaftsgebäuden und improvisierten Kunstorten aufführte. In den 1950er Jahren begründete Jarema die Nachfolgegruppe Cricot 2 mit den Künstlerkollegen Jonasz Stern und Regisseur Tadeusz Kantor. Aus dieser langjährigen Erfahrung im Theater rührte Jaremas Interesse, Rhythmus und Bewegung, gesprochenes Wort und körperlichen Ausdruck in Form von Skulptur und Bild zu fassen. Dass sie eine abstrakte Denkerin war, klingt auch in ihren Werktiteln an: Ganze Serien heißen 'Rhythmus', 'Zeichen', 'Durchdringung', oder 'Filter'. Die Begegnung zweier Formen beschrieb sie als Anekdote, die Bildfläche als Ort einer Konfrontation mit Konsequenzen für die umgebende Welt. Mit der monografischen Ausstellung am Lenbachhaus wird das Schaffen einer der bedeutendsten Künstlerinnen der polnischen Moderne erstmals auch in Deutschland umfassend gewürdigt. Zu sehen sind Werke aus allen Schaffensphasen Jaremas, darunter zahlreiche Gemälde, Monotypien, Skulpturen und Kostüme. In Kooperation mit dem Museum für Moderne Kunst Warschau. Ursprüngliches kuratorisches Konzept unter dem Titel 'Maria Jarema: Cracked Modernism' von Éric de Chassey und Natalia Sielewicz. Am Lenbachhaus kuratiert von Stephanie Weber.Description
Maria Jarema Revolutionäre Kommissarin der Kunst
26 Oct 2026 – 25 Apr 2027

- Im Jahr 1913 schrieb Else Lasker-Schüler an ihre Freundin Marianne von Werefkin: "Hochverehrte Prinzessin, vieladeliger wilder Junge, süße Malerin, wann darf ich kommen – ich träume von der Süßigkeit Ihrer Bilder. (Der Prinz von Theben) Else Lasker-Schüler (Der blauen Reiterreiterin Freundin)" Else Lasker-Schüler spielte gerne mit Geschlechterrollen und Identitäten, sich selbst bezeichnete sie auch als Prinz von Theben. Ihre Wortfindung der "Blauen Reiterreiterin" für die Künstlerinnen des Blauen Reiter steht leitmotivisch über dem Ausstellungsprojekt. Erstmals widmen wir uns umfassend den Künstlerinnen im Umfeld des Blauen Reiter und rücken deren bedeutenden Beitrag zur Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts in den Fokus. Sie waren Kosmopolitinnen, Mäzeninnen und Pionierinnen einer neuartigen Kunst. Sie wagten es, nationale, gesellschaftliche und künstlerische Grenzen zu überschreiten. Ihre Leben waren geprägt von Selbstbehauptung, Emanzipation und künstlerischem Aufbruch. "Ab nach München", schrieb Gabriele Münter euphorisch, als sie ihr Kunststudium aufnahm. Es war mutig, die Kunst als Beruf zu wählen: Der Zugang zu Kunstakademien war Frauen verwehrt. Gleichstellung wurde durch Gesetze unterbunden. Die selbstorganisierte Damenakademie in München bot jedoch erste Ausbildungsmöglichkeiten für Künstlerinnen und verschiedene Vereine kämpften für das Frauenwahlrecht. Die revolutionäre Haltung der Künstlerinnen übertrug sich auch auf ihre Kunst. In ihren Bildern, Briefen und Texten suchten sie einen neuen Zugang zur Welt. Mit ihren Ideen trugen sie maßgeblich zur Entstehung einer expressionistischen Kunst bei. So spiegeln die Porträts, Stillleben und Landschaften einen bisher unbekannten Umgang mit Farbe und Form wider. Die Künstlerinnen fanden eine innovative Auseinandersetzung mit der Natur, Spiritualität und der menschlichen Existenz. Ihr Blick auf soziale Realitäten und antibürgerliche und unangepasste Identitäten zeugt von einer bewussten Abgrenzung von traditionellen Normen in einem männlich dominierten Kunstsystem. Die vorgestellten Künstlerinnen waren Freundinnen und Konkurrentinnen, Mitbegründerinnen der Neuen Künstlervereinigung München (NKVM) und aktiv im Kreis des Blauen Reiter. In Marianne von Werefkins "Rosa Salon" wurden künstlerische und politische Themen diskutiert und eine neue Geschichte der Kunst auf den Weg gebracht. Mit Ausstellungen in der renommierten Galerie Der Sturm suchte Gabriele Münter die Öffentlichkeit. Dank Elisabeth Epsteins grenzüberschreitendem Netzwerk und ihrem Kontakt zu Robert Delaunay und Sonia Delaunay-Terk beteiligte sich die französische Avantgarde am Blauen Reiter. Carla Pohle vermittelte in ihrer Grafik eine soziale und politische Botschaft, die sich mit Armut, Klasse und Krieg auseinandersetzte. Zeitlich spannt die Ausstellung einen Bogen von der Bedeutung Münchens um 1900 als Ort einer starken Frauenrechtsbewegung über den Blauen Reiter bis hin zum Wirken der Künstlerinnen in der Weimarer Republik, im Exil und bis in die 1940er Jahre. Mit einem besonderen Augenmerk auf sozial konstruierte Rollenbilder, Identitätsfragen und Geschlechterrollen sowie den internationalen Netzwerken zwischen München, Paris und Moskau wird die vielfältige Ästhetik der "Blauen Reiterreiterinnen" erstmals gewürdigt. Mit Werken von: Erma Bossi – Sonia Delaunay-Terk – Emmi Dresler – Elisabeth Epstein – Elisabeth Erdmann-Macke – Natalja Gontscharowa – Else Lasker-Schüler – Maria Franck-Marc – Olga Meerson – Gabriele Münter – Carla Pohle – Marianne von WerefkinDescription
Die "Blauen Reiterreiterinnen"
12 Oct 2027 – 23 Apr 2028

Recent past exhibitions
- Die Künstlerin Käte Hoch zeigt ihren Freund Erich Müller-Kamp telefonierend am Schreibtisch. Ein Ferngespräch, so rät Kurt Tucholsky, soll möglichst deutlich und dialektfrei geführt werden, sonst können die Überwachungsbeamten dem Dialog nicht folgen. Sich selbst malt Hoch in den Farben der Suffragetten und mit Bubikopf. Auch junge Angestellte schneiden sich die Haare kurz. Sie tippen schnell, rauchen Kette und gehen abends ins Kino oder Tanzlokal. Sie lieben Charleston und Shimmy, hören Schmachtfetzen, Swing und Jazz. Irmgard Keuns "Kunstseidenes Mädchen" träumt von schmalen Silhouetten und Schuhen mit Eidechsenkappen. Ré Soupault entwickelt ein Transformationskleid, das im Büro direkt für den Abend umgewandelt werden kann. Im Variété werden Geschlechterrollen durchlässig, Monokel senden Signale. Die Wirtschaft blüht, oft auf Pump, Teile der Bevölkerung verarmen, nicht nur während der Hyperinflation und der Weltwirtschaftskrise. Kriegsversehrte, Arbeiterinnen, Arbeitslose und Veilchenverkäufer prägen die Straßen und konterkarieren die Goldenen Zwanziger. Oskar Maria Graf verteilt mit einer Arbeitsgruppe antifaschistische Flugblätter, in Schwabing treffen sich Feminist*innen und das Münchner Antikriegs-Komitee und eine Ortsgruppe der revolutionären Künstler*innen-Vereinigung ASSO bastelt an einer Zeitschrift. George Grosz zeigt den Aufstieg der Nationalsozialisten und karikiert den Hitlergruß. Das neue Theater von Helene Weigel und Bertolt Brecht sehnt sich nach der Wucht des Boxens und versucht sich an Dialogen, die wie Kinnhaken sitzen. 1923 wird die erste staatlich kontrollierte Rundfunksendung in Deutschland ausgestrahlt – Max Radler malt einen Fabrikarbeiter beim Radiohören. 1930 macht Tim Gidal im Deutschen Museum ein Foto von einer der ersten Fernsehübertragungen. Die Ausstellung konzentriert sich auf konkrete Geschichten und greifbare Details, statt große Thesen zur Weimarer Zeit zu formulieren. Zu den verschütteten Möglichkeiten der Weimarer Republik soll so ein Kontakt hergestellt werden – ein Ferngespräch. Mit Werken von Käte Hoch, Heinrich Hoerle, Karl Hubbuch, Lotte Jacobi, Grethe Jürgens, Jeanne Mammen, Gabriele Münter, Christian Schad, August Sander, Rudolf Schlichter u.a. In Kooperation mit dem München Stadtmuseum und mit großzügiger Unterstützung einer Privatsammlung Kuratiert von Karin Althaus, Adrian Djukić und Matthias Mühling zum Beitrag auf ARTE Kooperationspartner*innen Stimmen "Unter dem Titel "Ein Ferngespräch" geht es um Umbrüche, Reformen im Theater, geschlechterübergreifende Mode wie den Bubikopf und natürlich auch technische Neuerungen wie eben das Telefon. Das lässt ungeahnte Verbindungen zu, und wenn man sich an Kurt Tucholskys Rat, "möglichst deutlich und dialektfrei" zu sprechen, hält, können selbst die Überwachungsbeamten dem Dialog folgen…" Christa Sigg, AZ "In der Ausstellung […] steht der Titel "Ein Ferngespräch" im übertragenen Sinn für einen Dialog mit der Zeit vor 100 Jahren. Und der entsteht über Gemälde, Fotografien, Zeichnungen, die von Texten damaliger Autor*innen begleitet werden. […] Damals wie heute war es eine Zeit im Umbruch: voller technischer Neuerungen, absurder Moden, sozialer Kämpfe und damals wie heute wusste niemand, wo das hinführt." Mathilde Schnee, arte "In der Zeit der Weimarer Republik war plötzlich so vieles möglich – das vermittelt eine umwerfende Schau im Lenbachhaus, in der auch die Schattenseiten ihren Platz haben." Robert Braunmüller, AZDescription
Ein Ferngespräch. Szenen aus der Weimarer Republik
Ended 27 Sept 2026
- Es ist wieder so weit: Wir läuten den Sommer mit dem Brunnen von Jeppe Hein ein, der auf dem Vorplatz des Lenbachhauses für Abkühlung sorgt, wenn die Sommer zu heiß werden. Eine Wand aus hochschießendem Wasser versperrt die Propyläen. Erst wenn man sich ganz nah herantraut, fällt sie plötzlich in sich zusammen und gibt den Weg frei, hinein in den Brunnen oder aus dem Brunnen heraus. Kurz danach schließt sich der Raum wieder, durch Wasservorhänge ist er nun von Platz und Straße abgeschirmt. "Ein technisch perfektes, schlaues, witziges, größenwahnsinniges Werk", schreibt Silke Hohmann in Monopol über Jeppe Heins interaktiven Wasserpavillon "Space in Action / Action in Space". Wie viele Arbeiten des dänischen Künstlers lädt auch diese das Publikum ein: näher zu treten, die Scheu vor der Kunst zu verlieren, sich zu beteiligen, aktiv zu werden. Ohne aufdringlich zu sein, schafft Hein einen Ort für die Spiellaune der Passant*innen, ihn als Treffpunkt, Spielfeld und Ort des Vergnügens zu nutzen. Der interaktive Wasserpavillon "Space in Action / Action in Space" wurde im Jahr 2002 mit Unterstützung der Jubiläums-Stiftung der Deutsche Bank AG Filiale München zu Gunsten des Lenbachhauses erworben und wird nun 2026 erneut auf dem Museumsvorplatz installiert. Der Brunnen ist ein weiterer Schritt hin zu dem Ziel, die Aufenthaltsqualität des Vorplatzes zu steigern. Weitere Veranstaltungen und Aktionen finden im Sommer 2026 im Rahmen der "Buntes Garten Ciao" statt.Description
Jeppe Hein Space in Action / Action in Space
Ended 20 Sept 2026
- In ihrem zugleich spielerischen wie formal präzisen Werk befasst sich Iman Issa mit den immerwährenden Fragen der Kunst: Was ist ein Kunstwerk? Wie verhält sich ein Objekt oder ein Bild zu den Belangen seiner Zeit? Welche Rolle kommt den Künstler*innen in ihrer jeweiligen Gegenwart zu? Die gezielte Fragestellung ist für Issa (*1979, Kairo) ein Medium ebenso wie Holz, Metall oder Fotografie. Ist eine Frage aufgeworfen oder eine Hypothese skizziert, prüft sie deren Schlüssigkeit anhand neuer künstlerischer Arbeiten. Oftmals entstehen so ganze Serien, die so lange andauern, bis die Frage erschöpft scheint. Issas Werke spielen auf die Kunst anderer an, auf Denkmäler, Literatur, Gemälde und Fotografien, über einen Zeitraum von Jahrhunderten und über nationale Grenzen hinweg. Nach dem Studium der Philosophie und der Politikwissenschaften arbeitete die Künstlerin vorwiegend fotografisch. Heute nehmen Issas Werken meist ininstallative Form an. Ihre "Displays", wie sie diese nennt, bestehen aus sich aufeinander beziehenden Elementen: kurze Texte, Fotos, Bücher, Videos und Objekte. Oftmals unterlaufen diese Konstellationen die traditionelle Beziehung zwischen Bildunterschrift und Illustration. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Text und eine Skulptur ein abwesendes drittes Objekt heraufbeschwören oder aber gezielt aneinander vorbeideuten. Issas Methoden werfen die Frage auf, inwiefern die Wahrnehmung von künstlerischen Formen durch ihre gesellschaftlichen Gegebenheiten geprägt ist: Ist ein Denkmal oder ist ein Bild den Interpretationen seiner Betrachter*innen ausgeliefert, sodass sich seine Bedeutung ständig ändert? Inwiefern formen umgekehrt künstlerische Objekte unseren Blick auf die Welt? Issa löst diesen Knoten mit der subjektiven Behauptung, dass eine bestimmte Form die einzig mögliche für die Darstellung eines bestimmten Konzepts sei. Der von Issa angeregte Ausstellungstitel "Lass uns spielen" lädt dazu ein, aufgeweckt zu betrachten, die gesponnenen enzyklopädischen Bezüge zu verfolgen und sich selbst ein Bild zu machen.Description
Iman Issa Lass uns spielen
Ended 12 Apr 2026
- In ihrem zugleich spielerischen wie formal präzisen Werk befasst sich Iman Issa mit den immerwährenden Fragen der Kunst: Was ist ein Kunstwerk? Wie verhält sich ein Objekt oder ein Bild zu den Belangen seiner Zeit? Welche Rolle kommt den Künstler*innen in ihrer jeweiligen Gegenwart zu? Die gezielte Fragestellung ist für Issa (*1979, Kairo) ein Medium ebenso wie Holz, Metall oder Fotografie. Ist eine Frage aufgeworfen oder eine Hypothese skizziert, prüft sie deren Schlüssigkeit anhand neuer künstlerischer Arbeiten. Oftmals entstehen so ganze Serien, die so lange andauern, bis die Frage erschöpft scheint. Issas Werke spielen auf die Kunst anderer an, auf Denkmäler, Literatur, Gemälde und Fotografien, über einen Zeitraum von Jahrhunderten und über nationale Grenzen hinweg. Nach dem Studium der Philosophie und der Politikwissenschaften arbeitete die Künstlerin vorwiegend fotografisch. Heute nehmen Issas Werke meist instellative Form an. Ihre 'Displays', wie sie diese nennt, bestehen aus sich aufeinander beziehenden Elementen: kurze Texte, Fotos, Bücher, Videos und Objekte. Oftmals unterlaufen diese Konstellationen die traditionelle Beziehung zwischen Bildunterschrift und Illustration. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Text und eine Skulptur ein abwesendes drittes Objekt heraufbeschwören oder aber gezielt aneinander vorbeideuten. Issas Methoden werfen die Frage auf, inwiefern die Wahrnehmung von künstlerischen Formen durch ihre gesellschaftlichen Gegebenheiten geprägt ist: Ist ein Denkmal oder ist ein Bild den Interpretationen seiner Betrachter*innen ausgeliefert, sodass sich seine Bedeutung ständig ändert? Inwiefern formen umgekehrt künstlerische Objekte unseren Blick auf die Welt? Issa löst diesen Knoten mit der subjektiven Behauptung, dass eine bestimmte Form die einzig mögliche für die Darstellung eines bestimmten Konzepts sei. Der von Issa angeregte Ausstellungstitel 'Lass uns spielen' lädt dazu ein, aufgeweckt zu betrachten, die gesponnenen enzyklopädischen Bezüge zu verfolgen und sich selbst ein Bild zu machen.Description
Iman Issa. Lass uns spielen
Ended 12 Apr 2026
- Aus dem Fokus verdrängen wollte man all die Klischees, die wir Europäer über Haiti aufgedrängt bekommen haben, eben auch durch Fotografien wie von Leonore Mau. (...) Wir sehen den städtischen und ländlichen Alltag von Menschen in einer südlichen Gegend, die nicht von Konsumgütern zugeschüttet ist. Was wir nicht sehen, sind die Fotos von Menschen, die offensichtlich nicht abgelichtet werden wollten, von zu privaten oder geheimen Ritualen der Vodou-Religion, die neben dem Katholizismus gepflegt wird. U5 wollen "die Komplexität dieses Nachlasses aushandeln", er sei ein Schatz, "aber auch eine Last". Die als respektlos empfundenen Bilder wurden vom Kollektiv quasi magisch gebannt. Nachdem sie auf Wasser projiziert wurden, füllte man dieses in Flaschen. Der böse Geist sitzt damit in so fantasievoll wie skurril geformten Gefäßen, die in einer Säulen-Vitrine beim Becken stehen. Wer sich nicht informiert, wird eine Installation erleben, die viele Sinne anspricht, eine, die man genießen kann und die einem dann doch einen Stich ins Herz versetzt." Simone Dattenberger, Münchner Merkur Eine Seite weiter: "Einerseits können diese Bilder sehr viele Geschichten erzählen über Haiti, über ökonomische, politische, persönliche Verflechtungen, auch zwischen Haiti und Deutschland. Sie können Architektur zeigen, die heute nicht mehr existiert, weil sie zerstört wurde, insbesondere durch das Erdbeben 2010 und auch jetzt durch diese Gangs in den letzten Monaten. (...) Besonders problematische Bilder haben die Künstlerinnen aus dem Schweizer Kollektiv U5 auf Wasser projiziert und dieses Wasser dann in verspielten, bunt bemalten Keramikfiguren eingeschlossen." Tobias Krone, Deutschlandfunk KulturDescription
Out of Focus Leonore Mau und Haiti. Eine Ausstellung von U5
Ended 15 Feb 2026
- Stimmen "Aus dem Fokus verdrängen wollte man all die Klischees, die wir Europäer über Haiti aufgedrängt bekommen haben, eben auch durch Fotografien wie von Leonore Mau. (...) Wir sehen den städtischen und ländlichen Alltag von Menschen in einer südlichen Gegend, die nicht von Konsumgütern zugeschüttet ist. Was wir nicht sehen, sind die Fotos von Menschen, die offensichtlich nicht abgelichtet werden wollten, von zu privaten oder geheimen Ritualen der Vodou-Religion, die neben dem Katholizismus gepflegt wird. U5 wollen "die Komplexität dieses Nachlasses aushandeln", er sei ein Schatz, "aber auch eine Last". Die als respektlos empfundenen Bilder wurden vom Kollektiv quasi magisch gebannt. Nachdem sie auf Wasser projiziert wurden, füllte man dieses in Flaschen. Der böse Geist sitzt damit in so fantasievoll wie skurril geformten Gefäßen, die in einer Säulen-Vitrine beim Becken stehen. Wer sich nicht informiert, wird eine Installation erleben, die viele Sinne anspricht, eine, die man genießen kann und die einem dann doch einen Stich ins Herz versetzt." Simone Dattenberger, Münchner Merkur "Einerseits können diese Bilder sehr viele Geschichten erzählen über Haiti, über ökonomische, politische, persönliche Verflechtungen, auch zwischen Haiti und Deutschland. Sie können Architektur zeigen, die heute nicht mehr existiert, weil sie zerstört wurde, insbesondere durch das Erdbeben 2010 und auch jetzt durch diese Gangs in den letzten Monaten. (...) Besonders problematische Bilder haben die Künstlerinnen aus dem Schweizer Kollektiv U5 auf Wasser projiziert und dieses Wasser dann in verspielten, bunt bemalten Keramikfiguren eingeschlossen." Tobias Krone, Deutschlandfunk Kultur "Die wortwörtlich verflüssigten Fotografien verschwimmen für die Betrachtenden zu einer lebhaft-berauschenden Meditation. Sie hinterlassen Eindruck, ohne sich tatsächlich als konkrete Bildschablonen in der Erinnerung zu materialisieren, während die begleitende, umfangreich recherchierte Publikation von Dora Imhof, Gina Athena Ulysse und U5 (auf Deutsch und Haiti-Kreolisch) die vielen Ebenen vorsichtig und klug auseinanderpult." Hilka Dirks, tazDescription
Out of Focus Leonore Mau und Haiti Eine Ausstellung von U5
Ended 15 Feb 2026