Duisburg
Museum DKM
On now
- Im Verweben von Vergangenheit und Gegenwart entwickelt André Schweers das charakteristisch Neue, eine unverkennbare visuelle Ausdrucksform, seine Bildsprache. Sie eröffnet vielfältige Assoziationsräume und ermöglicht, innerhalb unserer kontemplativen Museumssammlung neue, zeit- und kulturübergreifende Verbindungslinien zu ziehen. Linien stiller Schönheit – Das Museum DKM. Jedes Anhäufen, jedes Ablagern von Material trägt die Spuren menschlichen Handelns in sich. Der einzelne Gegenstand wird aus seiner ursprünglichen Funktion herausgelöst und in einen neuen formalen Zusammenhang überführt. In diesem Prozess wird Gegenwart verdichtet und zum Sediment von Geschichte. Die äußere Struktur der Werke ist dabei nicht nur Form, sondern zugleich Zeugnis dieser Umwandlung und ihr stilles Archiv. Seit über einem Jahrzehnt bilden Höhlen- und Wabenstrukturen einen zentralen Bezugspunkt im Werk von André Schweers. Prägende Impulse erhielt der Künstler unter anderem auf einer Reise nach Kappadokien (Zentralanatolien in der Türkei), bei der er die Höhlen von Göreme besuchte. Die Begegnung mit diesen archaischen Räumen – Ausdruck eines frühen menschlichen Gestaltungswillens – wirkt bis heute nach. Schweers entdeckt diese Urformen immer wieder neu: auf den Ausgrabungsstätten kretisch-minoischer Kulturen, im historischen Mauerwerk mittelalterlicher Burgen oder in den französischen Taubentürmen, den Pigeonniers oder Colombiers, die sich seit dem Mittelalter als eigenständige architektonische Typologie etabliert haben. Charakteristisch ist ein streng geordnetes Raumsystem, in das die Spuren von Zeit und Vergänglichkeit eingeschrieben sind. Auch wenn die gegossenen und pigmentierten Reliefs Assoziationen an Taubentürme, Bienenkörbe, Höhlensysteme oder urbane Modelle hervorrufen, liegt ihr formaler Kern in einem elementaren Motiv: dem Bogen. Als eine archetypische, von Menschenhand entwickelte Form steht er für statische Stabilität und Dauer. Bis heute begegnet er in archaischen Behausungen und Grabanlagen, in antiken Viadukten und Aquädukten sowie in historischen Torbauten – als ein Motiv, das Zeit überdauert und Geschichte trägt.Description
Flüstern der Landschaft
Until 31 Oct 2026

- Yuji Takeoka _ Östliche Philosophie formt westliche Moderne Das Werk von Yuji Takeoka entfaltet sich im Spannungsfeld eines kulturellen Transfers: Ausgehend von einer östlich geprägten Denk- und Wahrnehmungstradition überführt er philosophische Konzepte Japans in die Formensprache der westlichen Moderne. Seine Skulpturen sind weniger Objekte im klassischen Sinn als präzise gesetzte Reflexionsräume. Sie oszillieren zwischen autonomer Form und Gebrauchsgegenstand, zwischen funktionaler Anmutung und kontemplativer Präsenz. Der Sockel, die Vitrine, die Haube – Elemente, die im westlichen Ausstellungskontext dienende Funktionen erfüllen – werden bei Takeoka selbst zu Trägern von Bedeutung. Der Ausstellungssockel ist nicht länger Podest einer abwesenden Skulptur, sondern eigenständige plastische Setzung. In dieser Verschiebung manifestiert sich ein zentrales Moment seines Denkens: die Aufhebung hierarchischer Ordnungen zugunsten einer offenen Wahrnehmung. In der Ausstellung nimmt die Arbeit Absperrung (2010) eine besondere Stellung ein. Mit ihrer goldenen Eleganz steht sie autonom im Raum und verweigert jede funktionale Lesart. Das Gold – im westlichen Kontext Zeichen von Wert und Repräsentation, in der japanischen Tradition zugleich Träger von Transzendenz und Licht – wird zur Schnittstelle der Kulturen. Es reflektiert nicht nur die Umgebung, sondern bindet den Raum und den Betrachter in das Werk ein. Im Museum DKM sind Takeokas Arbeiten an unterschiedlichen Orten verankert. Sie bilden wiederkehrende Momente der Orientierung, gleichsam eine visuelle Klammer im architektonischen Gefüge des Hauses. Ihre minimalistische Erscheinung verbindet sich mit einer Aura des Kostbaren und Unnahbaren. Glänzende Lacke und Vergoldungen spiegeln die Umgebung – das Werk existiert nicht isoliert, sondern im Dialog mit Raum, Licht und Bewegung. Zugleich tragen die Arbeiten eine performative Dimension in sich. Traditionell dient der Sockel der Repräsentation, die Vitrine dem Zeigen eines Exponats. Takeoka jedoch zeigt Sockel, die sich selbst präsentieren, Vitrinen, die sich selbst ausstellen, Hauben ohne schützenden Korpus. Es sind Fragmente einer neu gedachten Skulptur – Splitter einer Kunst, deren Dimension und Zugehörigkeit sich im Moment der Betrachtung erst konstituieren. So wird das Sehen selbst zum Thema. Takeokas Arbeiten entziehen sich eindeutiger Zuschreibung und fordern eine Haltung der Achtsamkeit. In der Reduktion der Form und im Glanz der Oberfläche vollzieht sich ein Transfer: japanische Philosophie wird nicht illustriert, sondern strukturell in die Sprache der westlichen Moderne eingeschrieben. Seine Skulpturen sind stille, präzise Interventionen – Orte, an denen sich Denken und Wahrnehmen begegnen.Description
Im goldenen Schein – Japanische Tradition trifft westliche Moderne
Until 21 Feb 2027
Recent past exhibitions
- Huang Min – Im Fluss der Formen Die Künstlerin Huang Min (*1975, Chongqing) vereint in ihrem Werk auf eindrucksvolle Weise die Tiefe traditioneller chinesischer Ästhetik mit Fragestellungen einer globalisierten Gegenwart. Nach ihrem Studium an der Sichuan Academy of Fine Arts (1998) und der Promotion an der Central Academy of Fine Arts in Peking (2006) lebt und arbeitet sie heute zwischen China und den USA. Ihr facettenreiches Œuvre entzieht sich eindeutigen medialen Zuschreibungen und entfaltet eine eigenständige Bildsprache, die sich kontinuierlich wandelt – ein permanenter Fluss der Formen. Im Fokus ihrer künstlerischen Auseinandersetzung steht die menschliche Figur. Ob als anonyme Silhouette, flüchtige Erscheinung im urbanen Raum oder intime, portraithafte Darstellung auf Leinwand, Papier oder Porzellan – Huang Mins Figuren verweilen häufig in Momenten stiller Versenkung. Sie verleihen den Werken eine subtile psychologische Dimension und öffnen einen reflexiven Raum zwischen Erinnerung und unmittelbarer Wahrnehmung. Obwohl ihre Bildsprache im Realismus verankert ist, distanziert sie sich bewusst vom satirischen Gestus früherer chinesischer Kunstströmungen. Stattdessen entwickelt sie einen nüchternen, beobachtenden Stil, der alltägliche Szenen durch narrative Feinheit in zeitlose Bildräume überführt. Ein zentrales Moment ihres Werks ist der produktive Umgang mit dem künstlerischen Erbe. Geprägt durch ihren Großvater, einen renommierten Tuschemaler, übersetzt Huang Min dessen Techniken in eine zeitgenössische Bildsprache. Elemente klassischer Shuimohua-Malerei sowie imaginierte Shanshui-Landschaften fließen in ihre Kompositionen ein, wobei konkrete Raumbezüge zugunsten symbolischer Ebenen aufgelöst werden. Auf diese Weise verhandelt sie gesellschaftlich sensible Themen und untersucht das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist das monumentale, 16 Meter lange Gemälde, das heutige Betrachter vor tuscheähnlichen Landschaften zeigt und kulturelle Selbstreflexion ins Bild setzt. Huang Mins künstlerische Praxis zeichnet sich durch eine ausgeprägte Offenheit gegenüber Materialien aus. Ihr Werk umfasst großformatige Ölmalereien, feinsinnige Aquarelle, die als visuelles Tagebuch fungieren, sowie komplexe Porzellanarbeiten. Gerade letztere offenbaren bei näherem Hinsehen hinter ornamentalen Oberflächen ein Geflecht expliziter Figurendarstellungen – ein subtiler Kommentar zu gesellschaftlichen Tabus. "Die Übertragung intimer Motive auf öffentliche Objekte wie Teeservices interessiert mich als Paradox – es geht um die Gleichzeitigkeit von Genüssen", erklärt die Künstlerin. Diese Haltung spiegelt sich auch im Ausstellungstitel wider, der auf ihre ungebändigte malerische Energie und ihre bewusste Weigerung verweist, sich auf ein einzelnes Medium festzulegen. Die Ausstellung im Museum DKM versammelt Schlüsselwerke aus unterschiedlichen Schaffensphasen und verdeutlicht Huang Mins kontinuierliche Auseinandersetzung mit Materialität, Identität und interkultureller Narration. Eine besondere Zäsur bilden dabei die während der Pandemie entstandenen Arbeiten, die eine Phase intensiver Reflexion und formaler Erweiterung markieren. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Huang Min unter anderem durch ihre langjährige Zusammenarbeit mit der BMCA-Collection, die ihre Werke in Wien und Peking präsentierte. Kuratiert: Ronald Kiwitt Koordination: Alexandra Grimmer Leihgaben: PrivatsammlungDescription
Im Fluss der Formen
Ended 4 Oct 2026
- In der Ausstellung Diamonds and Pearls zeigt das Museum DKM Keramikskulpturen von Claudia Terstappen. Was verbindet Schmuck und Skulptur miteinander? Diese Frage stellt sich Terstappen: Körper, Lebensräume, Häuser und Städte schmückt und verschönert der Mensch. Diese Assoziation inspirierte Claudia Terstappen und veranlasste sie, sich diesem Thema zu widmen. Das Wort "schmücken" geht auf das mittelhochdeutsche Wort " smücken, smucken " zurück und bedeutet unter anderem "in etwas hineindrücken; dagegen zu drängen"; Das Pressen ist wiederum die Methode, die Terstappen anwendet, um Ton in eine Form zu bringen. Eine ungeformte, rohe Masse bewusst geplant, mit Absicht, diese in eine Skulptur zu verwandeln; als Maßnahme der Verschönerung und Bereicherung für uns. "Oft sind es bestimmte Formen, Farbkombinationen oder Anordnungen von Dingen, die ich später in meine Werke übersetze, als würde ich einer Erinnerung ein konkretes Bild zuschreiben. Mich interessiert nicht die Quelle selbst, sondern die physikalischen Eigenschaften, ihre Erscheinung und ihre Kraft. Durch die spielerische Umsetzung in die Abstraktion versuche ich, den Werken eine eigenständige Existenz zu geben. Sie sollten in ihrer Aussage offenbleiben und ein breites Spektrum an Assoziationen zulassen. Farben spielen für mich eine wichtige Rolle – sie können emotional sein, aber auch dazu dienen, die Herkunft der Form zu verschleiern. Vor allem aber fetischisieren sie das Werk als kostbares Objekt.Description
Diamonds and Pearls
Ended 31 Mar 2026
Kaiser Antonino Dance Ensemble
Ended 15 Mar 2026